Desorientierung

Ambivalente Gefühle, heißt zum Beispiel glücklich sein und zur selben Zeit unglücklich.

Dies ist kein all zu gesunder Zustand. Aber begleitet uns hin und wieder im Leben.

Die Akzeptanz dieses Zustandes ist aber der Schlüssel, um gesund zu bleiben. Eine ambivalente Gefühlswahrnehmung ist enorm wichtig, um mit sich gut leben zu können und auch mit anderen.

Ohne die Akzeptanz dieser widersprüchlichen Gefühle werden wir im wahrsten Sinne verrückt. Dabei begleiten uns gegensätzliche Gefühlsregungen häufig. Wir sehen etwas was uns anekelt und können dennoch nicht wegsehen.

Uns ist nicht immer die Bedeutung dieses Verhaltens klar. Wir ergeben uns diesen Gefühlen einfach. Bis zu einem Punkt, an dem dies nicht mehr erträglich ist. Bis hin zur völligen Selbstaufgabe. Wir haben die Abzweigung verpasst, an der wir hätten den gesunden Weg einschlagen müssen. Den Punkt verschlafen, als sich Alarmsignale eingestellt haben.

Wenn wir in unseren vier Wänden auf und ablaufen, um eine Erklärung für unser Fühlen zu erlangen. Aber sich partout keine Antwort einstellen will, bis hin zu körperlichen Schmerzen.

Was passiert mit uns, wenn wir nicht akzeptieren? Wir werden nicht nur unglücklich, wir hinterfragen unser Sein. Stets und ständig, und fallen in ein Loch aus dem wir alleine nicht mehr herauskommen.

Bevor es soweit kommt, sollten wir auf unseren Körper hören und alle ambivalenten Regungen durch uns durch fließen lassen. Wir dürfen lachen und gleichzeitig weinen, wir dürfen lieben und hassen zur selben Zeit. Und wir dürfen Abstand nehmen und trotzdem vermissen.

Wenn uns klar geworden ist, wie sehr uns das befreit und wir reflektiert auf uns schauen können, sind nur noch die wahren Gefühle da. Schmerz oder Freude. Egal was übrig bleibt muss angenommen werden. Im Hier und Jetzt. Desorientierung ist normal und niemand muss es verstehen, außer uns selbst. Wir selber legen unseren Weg fest, niemand nimmt uns das ab und muss es auch nicht.

Welches Gefühl bleibt übrig? Genau das ist es, was uns hier und jetzt antreibt.

Neugierde – heißt auch lernen

Frage ich dich etwas, ist es auch ein wenig Neugierde. Aber in erster Linie Interesse. Schwer zu glauben das ich ernsthaftes Interesse habe? Nicht mein Problem.

Höre ich auf etwas aus dem Leben zu erfragen, habe ich schlichtweg das Interesse verloren oder du hast mir das Gefühl gegeben, dass es mich nichts angeht.

Egal wie, in dem Wort Neugierde steckt Gier. Gier nach Neuigkeiten, Gier nach Aufmerksamkeit, Gier nach Teilhabe.

Damit wird primär mein Egoismus gefüttert. Meine Gier gestillt. Aber auch meine Bedenken gelindert, meine Hoffnung befriedigt, dass du ein schönes Leben hast.

Verwechsle das bitte nicht. Denke immer daran, höre ich auf neugierig zu sein, höre ich auf Interesse zu haben.

Ist es wirklich so einfach? Ja. Ich bin nicht an Smalltalk interessiert oder an Wetterprognosen. Ich will wirklich wissen wie es dir geht. Wirklich teilhaben. Lässt du es nicht zu und möchtest über das Wetter reden, weiß ich wie ich das einzuordnen habe.

Ich bin nicht auf dieser Welt, um über Oberflächlichkeiten zu sprechen, ich bin hier damit ich ein Teil von etwas Großem bin.

Sagt man nicht auch, wenn wir aufhören neugierig zu sein, bleiben wir auf der Strecke? Neugierde beflügelt uns und lässt andere Sichtweisen zu, lässt uns lernen.

Voneinander.

Was tun?!

Was tun, wenn man keine Antwort auf die Frage findet? Wenn das Ereignis so tragisch ist, dass kein Ausweg gefunden wird.

Wenn der Blick fürs Ganze fehlt, die Sicht vernebelt ist und kein Ausweg insicht?

Akzeptanz. Das Schwerste was uns Menschen bevorsteht. Akzeptiere was gerade ist. Leicht gesagt oder geschrieben. Umsetzung? Nahezu unmöglich. Sehe ich jeden Tag.

Wir wissen was schlecht ist für uns, wir wissen was wir lieber nicht tun sollten. Und dennoch tun wir es. Brauchen wir Ruhe, sagen wir uns, wir sind faul oder unproduktiv. Brauchen wir Liebe, sagen wir uns, wir können das alleine und sind es nicht wert.

Brauchen wir Hilfe, sind wir schwach. Akzeptanz begegnet uns in allen Bereichen unseres Lebens. Überall wo wir hinblicken. Nicht bewerten, den anderen so akzeptieren wie er ist. Nicht all den Gedanken Bedeutung geben, die wir denken. Situationen in denen wir uns nicht wohl fühlen, nicht mehr Raum geben, als sie brauchen.

Grenzen erkennen und zulassen. Wir sind Menschen, keine Götter.

Alle Gefühle haben ihr Recht in uns zu sein. Wir dürfen ihnen nur nicht mehr Macht über uns geben. Sie dürfen kommen und eine Weile bleiben, sie dürfen wieder gehen um neuen Gefühlen Platz zu machen.

Wie setze ich das um? Kommunikation! Zu mir selbst und zu anderen. Kaum ausgesprochen verliert jeder Schrecken seine Grausamkeit. Wird jedes Erfreuen greifbar. Ich schreibe mir einen Brief und lese ihn so oft ich möchte. Alle Gedanken haben darin Platz und können ihren Weg nach draußen finden. Ich bin zu mir, wie ich zu (m)einem Kind bin. Voller Liebe, Zuversicht, Moral, Harmonie und Freude. Ich fange bei mir an. Ich bitte um Hilfe und ich biete sie an. Ich gebe Liebe und fordere sie ein. Ich gebe Halt und möchte gehalten werden.

All das hab ich verdient.

Gewitter

Mein Blick geht hoch in mitten der Bürogebäude in der Innenstadt. Kapuze tief im Gesicht, die Hand schützend über der Kippe, wie ein Junkie laufe ich die Straßen lang. Vorbei an den Obdachlosen unter der Brücke, den Abhängigen, die Schlange stehen an der Drogenstation. Vorbei an einer Wiese voll mit Schneeglöckchen inmitten von Verkehrschaos.

Es beginnt langsam zu tröpfeln und ich gehe schneller. Ich habe nur wenig Zeit und muss mich beeilen. Nicht nur das ich Termine habe, ich möchte auch nicht nass werden und mehr frieren, als ich es schon tue.

An der Ampel zwischen Bedürftigen und Dealern harre ich und warte auf das grüne Signal. Ich gehe schneller als die anderen, nicht aus Angst, eher getrieben von Kälte und Gedanken.

Es ist so laut auf den Straßen und in meinem Kopf. So laut, dass ich mich kaum konzentrieren kann. Die Gedanken rennen in meinem Kopf. Nichts vergessen, an alles denken, alles behalten, alles richtig machen.

Nach meinen Erledigungen stehe ich wieder an der Ampel, mit Kippe zwischen den kalten, fast blauen Fingern. Wieder warte ich auf das grüne Signal und in meinem Kopf, an dieser Ampel, beginnt das Gewitter. Zeitgleich mit Unwetter über mir. Wie starr stehe ich und merke nicht, dass alle gehen nur ich nicht.

Warum bleibe ich stehen, obwohl die Ampel auf grün steht? Warum bewege ich mich nicht? Kein Drang zu gehen. Oder zu laufen. Ich werde nass und friere mehr. Von meiner Kapuze perlt das Wasser ab und läuft mir über das Gesicht. Die Zigarette ist schon längst durchnässt und ausgegangen. Ich halte sie immer noch und warte immer noch.

Die Ampel wird erneut grün. Endlich gehe ich. Endlich bewege ich mich. Ich blicke mich um und sehe hastige Menschen um mich herum. Alle wollen dem Gewitter entfliehen. Nur ich gehe in meinem Tempo. Schnippe die Zigarette weg und zünde eine Neue an. Nur noch wenige Minuten bis zu meinem Termin. Ich rauche hastig und schalte den Kopf aus.

Vor der Tür wartet mein Termin. Ich lache auffällig höflich und begrüße freundlich. Das Gewitter im Kopf ist vorbei. Ich funktioniere.

Chaos – Selbstliebe

Es ist nicht einfach das Chaos im Kopf zu akzeptieren. Ich bin jederzeit mit meiner Außenwelt konfrontiert. Mit meiner Gedankenwelt im Inneren konfrontiert.

Für mich eine Balance zu finden ist schon schwer genug. Wie kann ich das für andere schaffen?

Differenzieren ist das Zauberwort. Ich kann eindeutig ausmachen, was meine Außenwelt von mir möchte. Wie ich reagieren könnte, wie ich es letztendlich tue. Ich kann reagieren und ein Ergebnis erzeugen, welches in dieser Situation annehmbar ist. Für mich. Es ist mein Ergebnis.

Dies sollte gleichermaßen für mein Inneres gelten. Tut es aber nicht. Im Inneren herrscht oft Chaos. Aber kann ich dieses Chaos nicht als das annehmen was es ist? Mein Chaos. Meine Gedanken, meine Emotionen. Es ist ein Teil der mich ausmacht. Zu akzeptieren, dass es so ist, ist Selbstliebe. Nicht ein Mantra welches ich mir immer wieder vorsage, sondern das Handeln, das willentliche Handeln und die Akzeptanz meines Chaos.

Wenn ich diesen Schritt gegangen bin, kann ich auch für andere Balance schaffen. Zumindest kann ich Balance ausstrahlen und den Weg mit anderen gemeinsam gehen. Niemand ist wie ich und ich bin nicht wie andere. Ich kann nur die richtigen Fragen stellen, um einen neuen Weg aufzuzeigen. Ich kann mich bereit erklären zu zeigen, wie jeder sein Chaos akzeptieren kann. Das was dazu nötig ist, ist Ruhe und Motivation. Intrinsische Motivation, der eigene Wille selber an sich zu arbeiten.

Sein Chaos zu akzeptieren ist nicht Stagnation, es ist Fortschritt. Inne halten und auf sich zu schauen ist nicht depressiv sondern sinnvoll. Zu verharren, um den Mut zu finden weiter zu machen ist Fortschritt. Wie klein die Schritte auch sein mögen und ob es zwei vor und einer zurück ist, ist Bewegung. Das Leben ist doch wie ein Tanz. Es geht auch häufig im Kreis und vor und zurück. Aber es ist vor allem nicht alleine zu bewältigen. Keiner muss sein Chaos alleine lieben lernen. Ein „Tanzpartner“ kann unterstützen und ein Gewinn sein. Die Balance ist mit einem „Tanzpartner“ auch einfacher zu halten.

Chaos akzeptieren heißt Selbstliebe und jemanden zu Fragen, der einem beim Balancieren erst noch vorsichtig hält, ist der richtige Weg.

Was bin ich für dich?

Den Januar gut überstanden, arbeitsreich und intensiv, wartet der Februar mit komischem Wetter auf mich. Grau und kalt oder grau und nass habe ich zur Auswahl.

Den Blick gesenkt und in den Schal gedrückt umlaufe ich die Pfützen auf dem Weg zum Testzentrum. Einen Kaffee hätte ich gerne, der meine Hände wärmt und meinen Magen füllt. Für mehr ist keine Zeit, Koffein und Zucker treiben mich zu Höchstleistungen an.

Später starre ich auf meine Papiere und überlege wie ich Lernerfolge messen kann und die validen Ergebnisse zu Papier bringe. Mein Kopf schmerzt, die Sonne habe ich heute nicht einmal gesehen. In nur einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit schweifen meine Augen auf das Handy neben all den Papieren.

Es blinkt ganz hektisch, eine Nachricht wartet darauf gelesen zu werden. Ich öffne die SMS und ein Lächeln huscht ganz kurz über mein Gesicht. Ich blicke mich um und hoffe, dass niemand gesehen hat, wie ich wie ein kleines Schulmädchen grinse.

Ich möchte nicht abgelenkt werden. Dennoch lese ich die Nachricht mehrmals. Habe ich alles so verstanden wie du es gemeint hast? Habe ich nichts hineininterpretiert oder aber weggelassen? Ist es so wie es ist? Warum nicht nachfragen. Wie ich es doch immer betone. Versichern, dass das Gefühl zum Gedanken passt. Die Wahrnehmung der Emotionen korrekt verarbeitet wird. Nachdenken, ich muss nachdenken.

Am Ende des Tages, wenn die Arbeit getan ist, mein Kopf raucht – genau wie die Zigarette in meiner Hand – frage ich mich schon, was ich für dich bin.

Was bin ich denn für mich? Bin ich die, die ich immer sein wollte? Bin ich die, die alles erreicht hat?

Ich steige in mein Auto, Gedanken versunken und fahre im Grau dem Schwarz entgegen.

Hallo?!

Auf der Suche nach Zweisamkeit vernachlässigt man schnell die Suche nach sich selbst. Bedauert. Trauert. Stagniert.

Endet eure Suche nach euch selbst auch oft in Tränen? Frage für einen Freund…

Nachdem ich aus freien Stücken und besten Wissen und Gewissen Entscheidungen getroffen habe, ist meine Suche nach etwas Anderem nicht befriedigt. Sei es beruflich oder privat. Immer wieder stelle ich mir die Frage, war es das schon? Zugegeben, dass habe ich auch schon vor 2 Jahren gefragt und scheinbar die Antwort, die ich erhielt, nicht als zufriedenstellend bewertet. Suche ich scheinbar immer noch. Aber wonach? Das Gold am Ende des Regenbogens? Ein Abenteuer? Versuchung? Laster? Frieden? Egal was es ist, ich habe es scheinbar nicht gefunden.

Philosophisch betrachtet beginnt die Suche in mir. Heißt also, in mir ist irgendwas verschwunden oder einfach nicht da? Heißt dass, ich bin nicht komplett? Fehlen mir Tassen im Schrank? Durchaus berechtigte Fragen, finde ich. Suchen eigentlich nur wir Frauen nach dem großen Ganzen oder geht das auch Männern so? Ich bitte um Antwort.

Ich für meinen Teil, kann mit Gewissheit sagen, dass die Suche nach Etwas oder Jemandem enorm anstrengend ist. Kräftezehrend und unaufhaltsam. Betrachtet man es genau, sind es nur Details die fehlen. Kleine Puzzlestücke. Ist es schlimm, diese Puzzlestücke zu suchen? Ich meine, wie sieht denn so ein unfertiges Puzzle bitte aus? Unschön, finde ich. Oder entscheidet man sich einfach das fehlende Puzzlestück wegzulassen? Es ist dann eben unfertig. Das Motiv mag ja erkennbar sein… Alles Annahmen und Spekulationen. Muss man vielleicht doch einfach nur akzeptieren, dass die Suche nach Vollendung auch nur der Schrei nach Perfektion ist. Und wir alle wissen, dass es Perfektion nicht gibt (unsere Kinder sind davon ausgenommen, die sind perfekt so wie sie sind). Das Streben nach Perfektion soll laut Psychologen auch völliger Irrsinn sein. Zerstört man sich auf dem Weg dahin doch fast ganz und gar.

Gut, also Perfektion ist es dann doch nicht, was ich anstrebe. Dann suche ich eben das Tüpfelchen auf dem i. Vielleicht hilft es einmal aufzulisten, was man nicht schon alles erreicht hat. Hallo?! Das ist eine ganze Menge bei mir. Ok, aus dieser Sicht ist es alles gar nicht mehr so dramatisch. Man darf nicht aus den Augen verlieren was man bereits erreicht hat und wofür man dankbar ist. Ich glaube eine tägliche Wiederholung dieser Dinge könnte helfen. Und mal ganz ehrlich, so ein Abend auf der Couch mit Netflix für sich allein hat schon seine Vorzüge. Wenn es nicht jeden Abend so ist und man auch mal geistreiche Gespräche führen kann. Außerhalb des eigenen Kopfes. Das wäre doch schon mal was. Die Gedanken lasse ich hier so stehen. Ich muss jetzt weiter auf Netflix meine derzeitige Lieblingsserie verfolgen.

Mein Leben in einem Wort

Alltagsspagat, trifft es immer noch. Nach den Jahren ist es das am passendste Wort geblieben. Die Umstände haben sich geändert, aber der Inhalt ist geblieben. Ich hinterfrage nicht mehr so viel, ich akzeptiere mehr und lebe im Moment. Immerhin das hat sich geändert. Ich plane weniger. Bin trotzdem noch gut organisiert. Die Lethargie ist gewichen, die Akzeptanz ist da. Auch ein gutes Gefühl. Ich trauere nichts mehr hinterher. Ich freue mich über kleine Sachen. Laut Selbsthilfebüchern, ist es das Ziel, welches ich jetzt erreicht habe. Es fühlt sich aber nicht so an. Es ist zwar schön, so wie es ist, aber die Ambitionen sind gewichen und der Alltag ist da, zwar ein anderer als noch vor zwei Jahren, aber Alltag eben.

Wenn es das jetzt ist, bin ich mal gespannt wie lange ich mich in diesem Alltag wohl fühle.

Es gibt Sachen, die ich durch Training verbessert habe. Zum Beispiel; wie schlafe ich von Sonntag auf Montag gut.

Tipp von mir. Vier Mal tief ein-und ausatmen. Und immer fragen, was hält mich ab vom Einschlafen und kann ich es um diese Zeit aus meinem Bett heraus ändern? Meist ist die Antwort nein, also ist die beste Option schlafen. Eine Einkaufsliste kann man immer noch am nächsten Morgen schreiben. Auch die Wäsche lässt sich einen Tag später waschen. Und den Konflikt mit der Kollegin von letzter Woche, kann ich am Sonntagabend aus dem Bett heraus ebenfalls nicht lösen. Keinen Konflikt kann man alleine lösen, also warum Gedanken dazu machen.

Nach wie vor helfen mir Todo Listen, um besser Projekte zu realisieren. Kleine Ziele, größere Machbarkeit, schneller Erfolg. Es muss nie kompliziert sein. Es geht einfach und auch erst am nächsten Morgen. Übrigens von der „goldenen Stunde“ am Morgen halte ich gar nix. Wenn ich meinen Tag nicht so aufteilen kann, dass ich nicht mal eine Stunde für mich habe, dann habe ich ein schlechtes Zeitmanagement und falsche Prioritäten gesetzt. Auch das ist ganz einfach. Nicht jammern, dass man das alles nicht schafft, weil alles zu viel ist. Nein, Prios überdenken und Freiräume schaffen. Und natürlich fällt dann mal was vom Tisch. Aber das macht gutes Zeitmanagement aus. Was vom Tisch fällt, war vielleicht gar nicht wichtig. Muss es dann überhaupt einen Platz im Leben haben? Oft, ist auch hier die Antwort nein. Immer fragen, was tut mir gut und was nicht. Fragt euch das ruhig öfter. Ihr werdet überrascht sein, wie viele Dinge und Sachen keinen Platz in eurem Leben brauchen. Und wenn ihr an eure Grenzen stoßt, fragt nach Hilfe. Das habe ich auch getan. Sachen sortieren muss man nicht alleine machen, bei einem Kaffee und Schokolade klappt das auch super mit einer Freundin zusammen. Die Arbeit ist dann nur halb so stressig und man teilt innige Momente mit einer guten Seele.

Ich muss tatsächlich sagen, dass mir selten Sachen vom Tisch fallen. Auch darauf bin ich stolz. Braucht ihr Hilfe bei etwas? Fragt auch gerne mich. Zeitmanagement und Todo Listen sind meine Stärken. Genauso wie innere Konflikte lösen. 🙂

lachen und weinen

Es ist schon etwas wie ein Irrgarten. Man sucht, man findet, man läuft los, man hält inne. Die Frage nach dem großen Ganzen taucht immer wieder auf und lässt sich einfach nicht beantworten. Funktionieren funktioniert ganz gut. Bis man dann alleine auf der Couch sitzt und in den grauen Tag starrt und sich immer wieder absurde Fragen stellt.

Auf die man ebenfalls keine Antworten bekommt, nur Verdrängung und Ablenkung. Und das Leben passiert dann nebenbei. Arbeit, Erziehung, Essen und Trinken, Fernsehen und Whatsapp, Insta und Datingapps. Also normaler Alltag, zurzeit. Nur muss ich gestehen sind Datingapps momentan langweilig für mich geworden, zur Schau stellen, nett sein, antworten, aufhübschen, um dann doch nicht zum Date zu gehen.

Ich lasse das. Ich will das nicht mehr. Sagt man nicht immer, man kann nur das anziehen, was man selber verkörpert? Was wäre das bei mir? Männer mit „Altlasten“, psychisch labile Persönlichkeiten mit Existenzängsten und sexy Blick?

Dafür habe ich keine Zeit. Will ich doch eine Beziehung, etwas Echtes, etwas Festes. Am liebsten nicht all zu kompliziert, mit viel Aufmerksamkeit für mich und liebevollen Gesten. Also mit mir. Eine feste Beziehung mit liebevollen Gesten, wie die Kette die ich mir selber zum Valentinstag geschenkt habe. Aufmerksamkeit in Form von Tulpen, die ich mir mitbringe. Eine tolles Make Up und ein paar verdammt sexy Stiefel. Und da ich mich ja ganz gut kenne, glaube ich, kann das wirklich etwas werden – mit mir. Dann ist der Rest doch leicht, oder?!

Mit einem wundervollen Ex-Mann, einer unglaublich tollen Tochter, einer wirklich schönen Wohnung, tollen Freunden, neuen Leuten und mir. Die sich gerade findet und wieder verliert, wieder findet und jemanden sucht oder findet, der passt.

Ganz einfach. Es gibt, wenn man den zahlreichen Artikeln glauben kann, sehr viele Menschen, die es viel schlimmer getroffen hat, als mich. Die ihr Leben von Null beginnen müssen. Die nach der Trennung ohne Hilfe nicht den Weg zurück finden. Die nichts können und nichts wollen, die leiden und weinen. Ich weine auch, aber ich lache auch und genieße schöne Momente bis zum Schluss. Koste alle Komplimente aus, auch wenn ich sie nicht immer glauben kann, denke an verflossene Bekanntschaften, an neue Bekanntschaften, an Freunde und Familie. Soviel über andere, habe ich schon sehr lange nicht mehr nachgedacht. Sollte ich nicht lieber viel mehr über mich nachdenken? Ich glaube, solange ich das genießen kann, an andere zu denken, denke ich damit automatisch an mich. Ich entwickle Mitgefühl für Menschen, die ich nur kurz kenne und fühle mich mit ihnen verbunden. Ich bedauere jedes Treffen, welches keinen guten Ausgang nahm und freue mich auf die Abende auf meiner Couch mit meiner Lieblingsserie, freue mich auf den Cocktail, den meine Tochter mir jede Woche zaubert (sie trinkt nicht, aber dafür ich) und sehe den kommenden Tag nicht mehr als Last, sondern als Herausforderung. Jeden Tag kommt ein AHA-Erlebnis dazu. Jeden Tag sehe ich mich anders, aber doch gleich.

Lachen und weinen gehört für mich dazu, auch wenn es jeden Tag so ist. Ist es ein Teil von mir. Ein momentaner Begleiter. Nichts wovor ich noch Angst haben muss. Ein Prozess der mich lenkt und mir gefühlvoll zeigt, wie ich mit mir umgehen muss. Alles akzeptieren wie es kommt, ich lerne und vertraue mir. Klingt nach Phrase, ist es vielleicht auch, aber es ist eben so wie es ist.

Tinderwonderland

Mit fast 40 hat es auch mich erwischt, das Dating-App-Fieber. Zugegeben, neugierig war ich schon. Deshalb kurz entschlossen eine App installiert und auf das Wunder gehofft. Auch wenn mir nicht klar war, was ich genau erwartet habe oder was mich erwartet, bin ich mutig losgestürmt. Trotz Links-Rechts-Schwäche habe ich das Prinzip schnell erkannt. Nach einiger Zeit fühlte es sich wie ein Spiel an. Es war ja auch spielend leicht zu bedienen. Die Männer, die mir angezeigt wurden, haben sich zum Besten gegeben.

Was ich erwartet habe:

Ein Portrait, einen Steckbrief, Humor, Sexappeal und vielleicht noch das Foto vom Haustier.

Was ich bekommen habe:

Verschwommene Aufnahmen von Gesichtern, die aus ca. 2 cm Entfernung aufgenommen wurden, nackte Haut, Strandbilder, Autobilder, Motorradbilder, witzige oder sexistische Sprüche, keinen Steckbrief – oder aber die eindeutige Aufforderung für ONS (One-Night-Stands) oder die gepflegte Affäre.

Da ich ganz offen an diese Sache herangegangen bin, habe ich die Jungs auch einfach links (zwinker) liegen gelassen, sollen sie sich doch austoben. Ob die Ehefrau tatsächlich diese Sache gutheißt, kann ja sein. War mir aber auch egal. Ich habe mich auf keinen Typ Mann festgelegt. Ok, eindeutig mehr Männer mit Bart waren dabei. Mag ich eben. Die Größe war mir auch egal. Der Job war mir egal und auch ob Hund oder Katze. Auch wenn es Kinder, gerne als Altlasten bezeichnet, gibt, bin ich offen auf die Männerwelt zu gerannt. Ja, rennen kann man es nennen. Ich war vielseitig interessiert. Es waren sogar unglaublich tolle Männer mit dabei. Es gibt sie also noch. 🙂

Es waren aber auch Männer mit dabei, die mich angepöbelt haben oder die meinen Vornamen zu ostdeutsch fanden oder die auf einer Wellenlänge mit mir lagen, mich unglaublich attraktiv fanden, ihr Glück kaum fassen konnten und mich versetzt haben.

Letztendlich fühlt es sich wie ein großer Sozialversuch an. Die menschliche (männliche) Psyche unter die Lupe genommen. Ich habe Altlasten, die habe ich sogar ziemlich gerne. Ich habe mich nicht festgelegt. Ich weiß aber was ich nicht will. Letztendlich haben sich diese Männer mit einem Ziel bei solchen Dating-Apps angemeldet. Egal wie dieses Ziel aussehen mag. Mädels, an euch liegt es schnell zu erkennen, welchen Typ Mann ihr vor euch habt. Ich kann mittlerweile bestätigen, dass wenn der Typ schon aussieht wie ein Schlitzohr, er auch eines ist.

Ich mag Männer nach wie vor, aber bilde mir sicher nicht ein, dass ich sie verstehe. Ich habe tolle Dates gehabt, unglaublich warmherzige Menschen kennengelernt. Ich habe mir gerne ihre Wünsche und Werte angehört. Aber ich habe auch erkannt, dass erst ich wissen muss was ich will, damit es klappt. Nur zu wissen was man nicht will, reicht zwar für eine schnelle Bauchentscheidung, dauert aber bedeutend länger, als zu bekommen, was man will.

Auch ich bin nicht frei von Fehlern und falls ich den Herren zu viel Hoffnung gemacht habe, tut es mir leid. Jungs, entschuldigt bitte! Ich bin auch nur ein Mensch.

Ich bin dankbar für jede einzelne Erfahrung in den letzten Wochen. Ich habe meine Komfortzone verlassen, war mutig und naiv und manchmal auch echt dumm. Aber ich vermisse diese Erfahrungen nicht, im Gegenteil. Es gibt sicherlich Menschen, die darauf gut verzichten können sich im digitalen Zeitalter der gesamten Öffentlichkeit verletzlich und offen zu zeigen.

Auch ich habe nur bedingt Details von mir preisgegeben. Aus Angst verletzt zu werden. Das geht den Männern sicherlich genauso. Aber alles was ich gesagt und gezeigt habe, habe ich frei heraus getan und würde es immer wieder so tun. Das bin eben ich. Zumindest ein kleiner Teil, den ich gerne bereit bin zu zeigen.

Ob ich die große Liebe finden werden, weiß ich nicht. Ob es jemals wieder so etwas wie Liebe geben wird in meinem Leben, weiß ich auch nicht. Aber nichts tun und hoffen sie findet mich von alleine – auf keinen Fall.

Also die Damen, seit mutig, seit frech und liebreizend. Haut die Männerwelt um und passt dabei verdammte Scheiße auf euch auf.

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