Desorientierung

Ambivalente Gefühle, heißt zum Beispiel glücklich sein und zur selben Zeit unglücklich.

Dies ist kein all zu gesunder Zustand. Aber begleitet uns hin und wieder im Leben.

Die Akzeptanz dieses Zustandes ist aber der Schlüssel, um gesund zu bleiben. Eine ambivalente Gefühlswahrnehmung ist enorm wichtig, um mit sich gut leben zu können und auch mit anderen.

Ohne die Akzeptanz dieser widersprüchlichen Gefühle werden wir im wahrsten Sinne verrückt. Dabei begleiten uns gegensätzliche Gefühlsregungen häufig. Wir sehen etwas was uns anekelt und können dennoch nicht wegsehen.

Uns ist nicht immer die Bedeutung dieses Verhaltens klar. Wir ergeben uns diesen Gefühlen einfach. Bis zu einem Punkt, an dem dies nicht mehr erträglich ist. Bis hin zur völligen Selbstaufgabe. Wir haben die Abzweigung verpasst, an der wir hätten den gesunden Weg einschlagen müssen. Den Punkt verschlafen, als sich Alarmsignale eingestellt haben.

Wenn wir in unseren vier Wänden auf und ablaufen, um eine Erklärung für unser Fühlen zu erlangen. Aber sich partout keine Antwort einstellen will, bis hin zu körperlichen Schmerzen.

Was passiert mit uns, wenn wir nicht akzeptieren? Wir werden nicht nur unglücklich, wir hinterfragen unser Sein. Stets und ständig, und fallen in ein Loch aus dem wir alleine nicht mehr herauskommen.

Bevor es soweit kommt, sollten wir auf unseren Körper hören und alle ambivalenten Regungen durch uns durch fließen lassen. Wir dürfen lachen und gleichzeitig weinen, wir dürfen lieben und hassen zur selben Zeit. Und wir dürfen Abstand nehmen und trotzdem vermissen.

Wenn uns klar geworden ist, wie sehr uns das befreit und wir reflektiert auf uns schauen können, sind nur noch die wahren Gefühle da. Schmerz oder Freude. Egal was übrig bleibt muss angenommen werden. Im Hier und Jetzt. Desorientierung ist normal und niemand muss es verstehen, außer uns selbst. Wir selber legen unseren Weg fest, niemand nimmt uns das ab und muss es auch nicht.

Welches Gefühl bleibt übrig? Genau das ist es, was uns hier und jetzt antreibt.

Was bin ich für dich?

Den Januar gut überstanden, arbeitsreich und intensiv, wartet der Februar mit komischem Wetter auf mich. Grau und kalt oder grau und nass habe ich zur Auswahl.

Den Blick gesenkt und in den Schal gedrückt umlaufe ich die Pfützen auf dem Weg zum Testzentrum. Einen Kaffee hätte ich gerne, der meine Hände wärmt und meinen Magen füllt. Für mehr ist keine Zeit, Koffein und Zucker treiben mich zu Höchstleistungen an.

Später starre ich auf meine Papiere und überlege wie ich Lernerfolge messen kann und die validen Ergebnisse zu Papier bringe. Mein Kopf schmerzt, die Sonne habe ich heute nicht einmal gesehen. In nur einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit schweifen meine Augen auf das Handy neben all den Papieren.

Es blinkt ganz hektisch, eine Nachricht wartet darauf gelesen zu werden. Ich öffne die SMS und ein Lächeln huscht ganz kurz über mein Gesicht. Ich blicke mich um und hoffe, dass niemand gesehen hat, wie ich wie ein kleines Schulmädchen grinse.

Ich möchte nicht abgelenkt werden. Dennoch lese ich die Nachricht mehrmals. Habe ich alles so verstanden wie du es gemeint hast? Habe ich nichts hineininterpretiert oder aber weggelassen? Ist es so wie es ist? Warum nicht nachfragen. Wie ich es doch immer betone. Versichern, dass das Gefühl zum Gedanken passt. Die Wahrnehmung der Emotionen korrekt verarbeitet wird. Nachdenken, ich muss nachdenken.

Am Ende des Tages, wenn die Arbeit getan ist, mein Kopf raucht – genau wie die Zigarette in meiner Hand – frage ich mich schon, was ich für dich bin.

Was bin ich denn für mich? Bin ich die, die ich immer sein wollte? Bin ich die, die alles erreicht hat?

Ich steige in mein Auto, Gedanken versunken und fahre im Grau dem Schwarz entgegen.

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