Weniger als erwartet, mehr als gedacht.

Wie immer hat sich das Leben gegen meinen Vorschlag entschieden, mal das Geplante umzusetzen.

Es sollte ein langer und aufregender Artikel werden, wochenlang geplant und dann musste ich alle Pläne über den Haufen schmeissen.

Kurzum, ein Freund ist mit einem Schlaganfall einfach umgekippt. Seine Frau hat Krebs und kann nicht alleine auf Toilette.

Was tun? Keine Vorsorgepapiere, keine Verwandten. Nur Freunde, nicht mal sonderlich dicke Freunde.
Was tun, wenn die Frau weinend anruft und nach dem Mann fragt, der im Koma liegt.

Ich arbeite und habe selber Familie. Was tun? Was soll ich machen?

Ich habe mich für alles entschieden. Ich habe eine Vollmacht erhalten und habe der Frau einen Pflegeplatz besorgt. Innerhalb von drei Tagen. Weil jmd. im Heim gestorben ist, konnte ich den Platz bekommen für sie.

Nennt man das Glück im Unglück? Karma? Keine Ahnung.

Es waren also drei Tage vergangen, ich war im Krankenhaus mit ihr, ich habe mit allen Ärzten gesprochen, ich habe mit der Heimleitung gesprochen. Mit Engelszungen hab ich für sie alles arrangiert, was sie braucht um zu überleben.

Der Mann wird wohl aufwachen, schwerstbehindert. Sie hat alle Kontakte abgebrochen zu mir, zu anderen Freunden. Sie will niemanden sehen, sie hat vergessen, das ihr Mann im Koma lag. Sie hat vergessen, warum sie ins Pflegeheim gekommen ist, sie hasst mich ,weil ich ihr geholfen habe. Und ich bin nicht mal verwandt mit ihr.

Aber sie hat überlebt, mit Betreuung. Ihr Mann wird linksseitig gelähmt ein Pflegefall werden, wie sie. Nur wird er niemanden zurückweisen können, weil er nie wieder reden kann.

Ich hab zwei Wochen meines Lebens für die beiden investiert. Ich war nicht allein, zum Glück. Ich hatte keine Schublade für so etwas in meinem Kopf. Jetzt hab ich sie.

Ich habe drei Kilo abgenommen und habe nie mehr als 6 Stunden geschlafen. Ich habe nur funktioniert. Ich konnte über nichts nachdenken. Ich konnte nur machen.

Ich habe meine Eltern gebeten, Vollmachten auszufüllen,damit ich nicht funktionieren muss. Sondern mit Bedacht ausführen kann, was sie ich wünschen.

Sie überlegen noch. Wahrscheinlich solange, bis einer umgekippt und der andere mich weinend anruft.

Posted by:jennyfrankkoppenhagen

Ich bin ein "Schreiberneuling". Die Angst zu Versagen ist quasi minütlich präsent. Aber der Wille etwas "selber zu machen" ist stärker.

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