unverplant

Wie kam es dazu, dass ich das Wochenende nicht verplant hatte?
Es war einfach frei. Ich hatte es übersehen. Zu kurzfristig um noch jmd. einzuladen oder einen Trip zu planen.
Ich glaube es war ein Versehen, oder ein Geschenk?
Ich muss dazu sagen, dass ich selten ein ungewollt freies Wochenende habe.
In der Regel plane ich drei Monate im voraus. Freizeitaktivitäten, Verplfichtungen, Kurztripps.
Klingt es nach Zwang? Nein, es bedeutet Sicherheit. Für mich und meine Familie.
Was passiert, wenn ich etwas nicht plane? Etwas, was ich nicht vorhersehe. Ich kann, auch wenn es anders klingt, flexibel reagieren. Das muss heutzutage einfach drin sein. Ich kann sogar auf Dramen und epische Veränderungen reagieren. Im Kopf habe ich alles durchgespielt. Ob Zombieapokalypse oder einen vergessenen Geburtstag. Schlimm? Nein – sicher.
Mir hilft es, wenn ich zumindest einen Hauch von Sicherheit spüre. Ob es wirklich alles so passiert, wie ich es in meinem Kopf durchgespielt habe, sei dahingestellt.
Es gibt sogar Netflix Serien, die über das „Prepping“ berichten. Nicht das ich mich daran beteilige. Es ist nur in meinem Kopf.
Bei Facebook gab es einen Test wie lange man eine Zombieapokalypse überleben würde, ich hätte ganze 12 Minuten überlebt. Immerhin. Es lag nur daran, weil ich nicht rennen kann und totstellen ist anscheinend keine Option.
Aber eines ist klar, das unverplante Wochenende hat mich eiskalt erwischt. Vielleicht kann ich doch nicht so flexibel reagieren, wie gedacht?
Was tut man mit dieser vielen Freizeit? Fernseh schauen? Ja, auch. Lesen? vielleicht. Schreiben? Nur ein wenig.
Also rausgehen ist ebenfalls keine Option. Zu bäh.
Sport? Niemals!
Am Ende lag ich lange im Bett und habe Schnupfen bekommen.
Hat mich das Kopfzerbrechen über diese freie Zeit krank gemacht?
Ich hoffe nicht. Es war einfach an der Zeit diese Pause zu haben. Mein Körper wollte diese Pause. Genutzt habe ich sie. Ich lag im Bett, die dicke Katze neben mir. Schlief genauso fest wie ich.
Putzte sich. Weinte kurz als sie wach wurde. Das tut sie von Zeit zu Zeit, aufwachen, weinen, wieder einschlafen. Ich weiss nicht warum sie das macht, aber es ist manchmal verstörend. Für sie. Für uns auch.
Sicherheit bedeutet nicht für jeden das selbe wie für mich. Ich plane. Andere schließen die Tür vier mal ab oder kopieren den Reisepass.
Am Ende war es aber egal. Ich habe geschlafen. Also war ich sicher. Sicher, dass all die Planung mir diese Zeit zum Schlafen nicht gegeben hätte. Doch ein Geschenk, dieses unverplante Wochenende?!
Wie machen das Menschen, die nicht planen? Gibt es Menschen die nicht planen? Die werden doch nicht einfach auf Zufälle warten? Oder doch?
So was bringt mich ja völlig aus dem Konzept. Zumindest ein grober fünf Jahresplan sollte doch stehen. 😉

4 Kommentare zu „unverplant

  1. Sehr schön geschrieben 🙂 Ich lerne hier in Mexiko gerade, wie es ist, nicht zu planen. Am Anfang ist es tatsächlich scary, denn wie du schon erkannt hast, bringt uns das ständige Verplantsein eine gewisse Sicherheit. Denn wir haben Angst vor dem Ungewissen. Aber mittlerweile liebe ich es, nicht weiter als nächste Woche zu planen, denn so lebt es sich gefühlt viel mehr im Moment. Und außerdem sehe ich, dass nichts passiert, wenn Sachen eben nicht nach Plan laufen. Im Gegenteil, manchmal tun sich sogar noch bessere Optionen auf, an die ich vorher gar nicht gedacht habe!

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  2. Hallo Jenny! Bertolt Brecht:
    https://www.lyrikline.org/de/gedichte/ballade-von-der-unzulaenglichkeit-menschlichen-planens-770
    Brecht lag richtig. So habe ich das Thema Planen in meinem Job erlebt -geplant wie der Teufel, und genauso versemmelt.
    Planen praktiziert man, und es wird mit der Zeit zum bedingten Reflex, man machts automatisch.
    Mit meinem Jobausstieg habe ich den Schalter auf NULL gestellt und geniesse heute meine Freiheit.
    Fixe Termine sind unvermeidbar, sie werden durch andere initiiert und stören mein Wohlbefinden.
    Wenns etwas zu tun gibt, lasse ich mein Bauchgefühl für mich arbeiten. Überraschungseffekte sind erwünscht. Sie lassen jene Funken fliegen, die das Leben interessanter machen.
    Du siehst – es gibt auch Leute, die nicht planen mögen!
    Liebe Grüße!
    RR

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