Ich kann nicht aus meiner Haut.

Die Mädels und ich waren essen. Der Tisch, an dem wir sitzen sollten, war nicht nach unserem Geschmack. Also lächelte ich die Kellnerin an (ich war fest davon überzeugt ich habe gelächelt) und sagte: “ An diesem Tisch wollen wir nicht sitzen. Aber an dem hier. Wäre es möglich uns umzusetzen?“  Ich lächelte immer noch als sie ging. Die Mädels schauten ein klein wenig skeptisch. Die eine meinte: “Hättest du nicht erst fragen können, ob es möglich wäre, anstatt mit dem ‚hier nicht‘ zu beginnen?!“ Die andere verneinte strickt, als ich gefragt hab, ob ich wenigstens gelächelt hätte.

Was war da los? Im Kopf klang es so liebevoll und in meiner Vorstellung spielten Harfen und Schmetterlinge umkreisten mich.

Aber die Wahrheit sah wohl anders aus. Ich hatte einen Wunsch, den habe ich geäußert und das Ergebnis war mein besserer Sitzplatz.

Falsch?! Nein. Es war von mir auch nicht beabsichtigt das junge Mädchen unfreundlich zu behandeln.

Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Ich “will“ etwas, dann frage ich ob es möglich ist, dass zu bekommen, was ich will. Ich nehme es mir ja nicht einfach, ich frage.

Aber da haben wir wieder das nicht vorhandene Pokerface. Alles liest man mir von meinem Gesicht ab. Jedes Gefühl. Jegliche Regung. Unterstrichen durch meine Falten um die Augen herum, die scheinbar besonders tiefe Rillen hinterlassen je falscher mein Lachen ist.

Aber ich will eigentlich ohne viel Trara mein Ziel erreichen. Ich will nicht richten und zerstören. Nur woanders sitzen!

Nachdem die Unterhaltung am besseren Tisch vertieft wurde und auch das eine oder andere Beispiel über “unhöfliche“ Ansprachen erzählt wurde, habe ich einen Entschluss gefasst.

Ich werde einfach leiser reden. Leise reden impliziert doch eine zurückhaltende Art,oder?

Ich werde in vollen Restaurants, an Kinokassen und im Bus einfach viel leiser sein, als ich es sonst bin. Ich probier das einfach aus. Was kann schief gehen? Ausser vielleicht ein paar Nachfragen weil man mich nicht versteht. Dann kann ich ja nochmal sagen, was ich will. Vielleicht auch zwei, dreimal.

Wenn es gut ankommt, wird das DIE Masche, um nicht mehr unhöflich zu wirken. Ausserdem locke ich somit die Person mir gegenüber aus der Reserve, die muss ja jetzt nochmal nach meinen Bedürfnissen fragen.

Das mag ich. Wenn jemand nochmal fragt was ich denn möchte. Ich stelle mir das so vor:“ Entschuldigung, die Umgebung ist so laut. Ich habe ihre Frage gar nicht gehört. Was darf ich für Sie tun?“

Ich befürchte aber, es wird eher so: “ Was? Waaaas? Red lauter, Digger.“

Und ich werde völlig irritiert in eventuell nicht ganzen Sätzen sagen was ich will. “Bier. Danke.“

 

 

 

 

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