Ich bin etwas verträumt.

Das Schlimme an Vorhaben ist ja die Ernüchterung, wenn es sich in die Länge zieht. Meine Ideen für dieses Jahr sprudeln nur so über und ich bringe einige zu Papier, einige nicht.

Und alle immer so:“ Wow, so viel hast du dir vorgenommen. Wow.“ Und ich dann immer so: „Wow, hast du dir viel vorgenommen und es muss jetzt gemacht werden.“

Dann kann ich es aber gar nicht gleich machen, weil ja der Mann ein gewisses Interesse an dieser Ehe hat und das Kind auch seine Zeit einfordert (zu Recht!) und den Job gibt es ja auch noch. Ich habe zwar immer noch Energie und Zeit aber dann ist es meist mitten in der Nacht und von einer Sekunde auf die Nächste bin ich doch eingeschlafen. Das mit der Zeit hatte ich schon erwähnt. Die ist immer weg, wenn man sie braucht, aber bei einem elenden Meeting vergeht sie überhaupt nicht. Was ist mit der Zeit nicht in Ordnung? Was hab ich ihr denn getan? Kann sie nicht mal das machen, was ich möchte?

Achtung und jetzt kommt es, genau wenn die Zeit knapp wird und man nicht weiß wo vorne und hinten ist, dann passiert es. Man träumt! Man schaut aus dem Fenster und der Kopf singt das Schlümpfelied.

Warum macht der Kopf das? Ich sag es euch. Der macht es, weil er euch zwingt abzuschalten. Weil der Kopf sonst raucht. Das macht er übrigens auch, wenn ihr unterfordert seit. Hat euch schon mal jemand unterstellt, ihr seid einer Sache nicht gewachsen, ihr könnt euch nicht konzentrieren? In Wirklichkeit seid ihr unterfordert und die “Sache“ ist für euren Horizont zu „klein“. Nur weil man Schnürsenkel zubinden kann, heißt das nicht, dass man das den ganzen Tag machen will. Anders ist es, wenn man Schnürsenkel zubinden und eine Dissertation über „Kernspaltung“ schreiben kann. Dann wirkt das mit den Schnürsenkeln nicht mehr so wichtg, oder?!

Es kommt immer darauf an, wie wir gefordert werden und wie hoch unsere eigene Messlatte liegt.

Beispiel: Ich hatte einen Teilzeitjob, in dem ich ungefähr zwei Briefe pro Tag geschrieben habe und dann eine Beschäftigung, in der ich zwei Briefe pro viertel Stunde geschrieben habe. Job eins war unglaublich langweilig und es gab null Entwicklung für mich (ich war auch nicht lange dabei). Ratet mal; ich habe diese zwei Briefe mehrmals neu schreiben müssen, weil ich immer wieder Fehler machte. Ich konnte mich zusammenreißen wie ich wollte, ich habe immer wieder etwas übersehen. Ich dachte schon, dass ich eine echte Schwäche hätte. Meine damalige Chefin rümpfte nur die Nase und hatte keine hohe Meinung von mir. Da ich nur zwei Briefe pro Tag zu schreiben hätte, müsse man das doch „mit links“ hinbekommen. Korrekt. Mein Tag bestand NUR daraus zwei Briefe zu schreiben. Ich war schlichtweg unterfordert. Entweder mein Unterbewusstsein wollte mich länger beschäftigen oder ich bin tatsächlich verdummt. Ich kann es euch nicht genau sagen. Fakt ist, in Job zwei habe ich bei acht Stunden Arbeitzeit 32 Briefe geschrieben (plus/ minus zehn) und keine Fehler gemacht. Die Briefe waren wirklich wichtig. Ebenfalls musst ich neben Briefe schreiben (handschriftlich von meinem damaligen Chef auf Servietten und anderen Notizzetteln verfasst) auch gefühlt tausend andere Sachen erledigen. Es war kein Platz für Fehler, da die Zeit knapp bemessen und ich echt effizient den Tag gestalten musste. Also ließ ich einfach mal Fehler weg und konnte mich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich bin nicht dumm. Ihr seit nicht dumm. Für jeden „Job“ gibt es die richtige „Denke“. Ich muss mich nicht total verdrehen, um in einen Job zu passen. Ich suche mir den Job, der das bietet, was ich brauche. Wenn ich dann noch das biete was der Job braucht, dann passt es doch. („Person Job Fit“  heißt das im Übrigen ;)) Und wenn es nicht passt, hat man es wenigstens versucht und eventuell auch rechtzeitig (Probezeit!) festgestellt. Das ist der Weg zur Erkenntnis. Das ist Veränderung!

 

2 Kommentare zu „Ich bin etwas verträumt.

  1. Wenn man an einem halben Tag zwei Briefe schreiben soll, werden diese beiden Briefe natürlich auch unendlich wichtig und man hat dann das Gefühl, es solle alles stimmen. Wenn man mehr arbeiten muss, relativiert sich jeder Einzelarbeit und stresst einen nicht mehr so, weil man ja aufgrund der Gesamtheit bewertet wird, nicht aufgrund von zwei albernen Briefen. Und noch was zu den Vorhaben, die du hast. Vielleicht hilft dir der folgende Gedanke ja ein bisschen. Man braucht immer nur einen Schritt auf einmal zu machen. Dann stresst es einen nicht so.

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