Hedda Plecher ist so Deathmetal

Hedda Plecher ist so Deathmetal

Eine großartige Ex-Kollegin konnte ich überzeugen, hier etwas sinniges zu schreiben. Tada! Und ja, das Seminar geht dann auf´s Haus, liebe Hedda!

„Wie schreibt man denn ein Buch?“ ist eine Frage, die ich recht häufig höre, gefolgt von der leicht empörten  Feststellung: „Könnt ich nich!“. Meistens antworte ich darauf: „Och, ist gar nicht so schwer, immer einen Satz nach dem anderen.“ Oder: „Man schreibt einfach immer weiter, bis es fertig ist.“ Das klingt ein bisschen lapidar, aber genauso ist es: Man fängt an und man macht solange weiter, bis es fertig ist.

„Ja, danke, schön dass wir drüber gesprochen haben! Käffchen?“ wäre wohl die angebrachte Reaktion darauf, und dann müsste ich zugeben, dass es so einfach dann doch nicht ist; nicht immer erzählt man eine Geschichte zu Ende, nicht jedes Buchprojekt wird auch veröffentlicht, tatsächlich erblicken viele Ideen und Manuskripte, die sich im Laufe der Zeit ansammeln, nie das Licht der Öffentlichkeit – so dass man als AutorIn, wenn man nach der Eingangsfrage auch desöfteren  gefragt wird „Was schreibst du noch so? Und wann kann ich das mal lesen?“, schwer seufzen muss und weit, weit ausholen und dann mit den Schultern zucken und auf das bereits Veröffentlichte verweisen, stolz grinsend natürlich, das Andere braucht halt alles noch Zeit. Ich persönlich habe circa 5einhalb Manuskripte im Schrank, die ich natürlich alle für brillant halte, die ich aber niemals irgendwem, nicht mal  besoffen, vorlesen würde. Naja, vielleicht irgendwann mal. Einige sind ja auch nicht fertig. Und andere müssten mal überarbeitet werden, dann vielleicht… Und da haben wir’s schon wieder – wie schreibt man denn nun eigentlich ein Buch?

Es ist eine ziemlich eigenbrötlerische Tätigkeit, ein Buch zu schreiben, man hat ja keinen Proberaum, in dem man sich mit den anderen Bandmitgliedern treffen kann, und in den seltensten Fällen hat man Kollegen, mit denen man das Ganze nochmal eben in der Kaffeeküche durchsprechen kann, und sich in den Park zu stellen und sein Buchprojekt herauszukreischen ist in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt (obwohl einen Versuch wert). Das meiste spielt sich eben im eigenen Kopf oder in einem der Dutzend Notizbücher ab, die man in den letzten paar Monaten mit Geistesblitzen vollgekritzelt hat, da ist wenig Glamour und Applaus dabei.

Es fängt ganz schnöde mit einer Idee an. Nicht, wie oft vermutet,  mit dem Wunsch ein Buch zu schreiben – ohne Idee gibt’s ja kein Buch und auch keine Novelle, keinen Kurztext und auch kein Gedicht. Deshalb geht ein Vorhaben wie „Ich möchte einmal im Leben ein Buch schreiben“ meistens unter, und Dinge wie „Bungeejumping“ werden auf der Bucket List vorgezogen.

Wenn man aber diese Idee hat und sie sich dann mehrmals im Kopf herumgewälzt und vom Schlafen abgehalten und in der Bahn morgens auf dem Weg zur Arbeit dafür gesorgt hat, dass man seine Haltestelle verpasst, und wenn man auf Parties nur noch davon reden kann, so dass die Freunde das Bier schon freiwillig nachbestellen, damit man mehr trinkt und weniger „ICH HAB DA EINE IDEE FÜR EIN BUCH“ krakeelt, dann sollte man sich dringend überlegen, ob man das auch mal aufschreibt. Solche Ideen sind nämlich die besten, und die Freunde wird’s auch freuen, wenn man mal das Thema wechselt.

Es empfiehlt sich hierfür die oben erwähnten Notizbücher bereit zu halten, denn die besten Geistesblitze hat man einfach nie am Computer. Ich spreche aus Erfahrung; ich habe die meisten Ideen auf dem Weg zum Supermarkt (enorm unpraktisch) oder im Zug (geht) oder auch beim Zahnarzt (da muss das Notizbuch ein bisschen warten, und auch dem Zahnarzt davon zu erzählen ist nicht so einfach).

Wenn man dann also alles niedergekritzelt hat und ein wenig darauf rumgedacht hat, dann machen viele Autoren folgendes: Sie strukturieren und planen. Nicht alle, aber das ist ja auch nicht obligatorisch (ich bin zum Beispiel ganz, ganz schlecht drin). Dafür gibt es verschiedene Programme und man kann Seminare belegen und viel Geld ausgeben, um zu erfahren, dass eine Geschichte einen Anfang und ein Ende braucht. Manche Autoren haben das Ende zuerst. Manche den Höhepunkt. Andere das Thema. Wie auch immer man es dreht und wendet und betrachtet, von oben, unten, mittig oder von der Seite aufgerollt, sie haben alle eines gemeinsam: die Idee.

Ich habe mir schon immer Geschichten ausgedacht, mal mehr, mal weniger erzähltauglich, und als ich schreiben konnte, hab ich mich sehr gefreut, dass ich all diese Geschichten irgendwo lassen konnte. Ich glaube, mein Umfeld auch. Bevor ich mein erstes Buch geschrieben habe – nein, halt: Bevor ich mein erstes Buch ZU ENDE geschrieben habe –,  hab ich immer geglaubt, dass ich das nicht hinbekomme, viel zu lang, viel zu schwer. Ich hatte bis dato „nur“ Kurzgeschichten und Satiretexte geschrieben, und die oben erwähnten 5einhalb brillanten Romananfänge. Aber nach einer Weile stellte ich fest, dass das nicht stimmt: Die Figuren haben sich entwickelt, der Plot auch, und ab und zu ist er auch mit mir durchgegangen, Juhu!, gottseidank gibt’s das Lektorat, und ich hab gemerkt:  Ich kann das, ich hab‘s nur vorher nie durchgezogen.

Weil es von der Idee abhängt und von nichts anderem, kann prinzipiell jeder ein Buch schreiben. Man muss nur anfangen. Und weitermachen. Und noch weiter. Und noch weiter. Und man muss es zu Ende bringen.  Und es wird Zeiten geben, da geht nichts. Und dann welche, da hat man gar nicht genug Rotwein und Zeit für all die Ideen, die man aufschreiben möchte, und manchmal hat man nicht mal genug Buch für den ganzen Inhalt.

Bücher schreiben, Geschichten erzählen, ist eine Fleißarbeit, die zeitaufwändig ist und Spaß macht und frustriert und stresst, und überhaupt, man ist Künstler, man leidet ja auch viel, das gehört dazu (macht ja auch Spaß, DRAMA und so). Vor allem ist es aber die schönste Beschäftigung der Welt. Ich würde nichts anderes machen wollen. Niemand schreibt ein Buch von heute auf morgen, und wenn doch, dann würde ich es nicht lesen wollen.

Und wenn jemand den/die leidende/n AutorIn motivieren kann, dann ist das Jenny, die ich als souveräne und starke Kollegin in meinem Brotjob kennenlernen durfte (auch so brillante Künstlerinnen wie ich müssen ja irgendwie den Rotwein finanzieren). Jenny ist ein sehr einfühlsamer Mensch, der auch auf den Tisch hauen kann, wenn es nötig ist und nie den Überblick verliert. Eine Eigenschaft, die ich sehr beneide, wenn ich mich mal wieder durch meine Notizbücher wühle und mich frage, wieso ich nicht besser strukturiere. Vielleicht brauch ich da auch mal ein Seminar.

 

 

 

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